ausstellung studio 1 – resonanzbereiche

Im UG des Folkwang Museums wurden Arbeiten von 10 Studierenden und AbsolventInnen des STUDIO 1 des Graduate Programms Heterotopia gezeigt. Ein Monat lang konnten Besucher des Museums Objekte, Skulpturen, Grafiken, Fotografien und Videoarbeiten von Anastasija Delidova, Anne-Clara Stahl, Sofia Fernandez, Dimitrij Haak, Katarina Atkinson, Eicke Riggers, Judith Pollmann, Joachim Liu, Sebastian Sowa und Pia Kintrup erleben.

Betreuende sind:
Prof. Christian Schreckenberger
Prof. Marion Digel
Prof. Stefan Neudecker

Anastasija Delidova
Pieces of a (self)responding Room

Die Arbeit „Pieces of a (self)responding Room“ ist ein Dialog zwischen den Wänden des Museums, deren Abbilder zerstückelt und spielerisch angeordnet, miteinander korrespondieren. Ein Dialog mit Lyonel Feininger, dessen Arbeit Gelmeroda IX (1926) sich im Erdgeschoß des Museums befindet und Quelle der Inspiration für „Pieces of a (self)responding Room“ dient. Ebenso wie Feiningers Entmaterialisierung der Architektur verfremdet Anastasija Delidova die Geometrie des Raumes und erweitert diese durch das Erschaffen neuer Flächen und Lücken. Es entsteht ein Dialog zwischen Einheit und Mehrheit, zwischen dem Sichtbaren und dem Unsichtbaren, zwischen den vom Licht durchdrungenen und den im Schatten verborgenen Elementen eines Ortes.

Anne-Clara Stahl
Teilhabe an der Körperlichkeit des Werdenden

Aktion ist Handlung, ist eine Tat. Die Reaktion umfasst einen Moment. Sie ist der Akt der Veränderung eines Zustandes. Die bewusste Teilhabe an einer Reaktion ist Untersuchung. Die Darstellung der Reaktion ist ein Untersuchungsprotokoll. Reaktion ist Formprozess. Sie ist Verwandlung in einer bestimmten Zeit. Betrachtungen von Prozessen, die in ihrer Ausführung das Sichtbarmachen thematisieren.

Sofia Fernandez
Irrungen, Wirrungen

In den vielen Schlaufen und Ringen existiert kein hierarchisches Verhältnis zwischen Fundament und Figur mehr. Stattdessen gehen feste und flexible, leichte und schwere Materialien ein abwechslungsreiches Spiel miteinander ein und behalten dabei stets die Form einer fließenden Linie bei. An einigen Stellen bäumt sich das leichte Material durch äußere Zwänge auf, wohingegen es an anderen Stellen träge am Boden liegt. Der Material scheint dabei eigenen Gesetzmäßigkeiten zu folgen und verdichtet sich zu Figuren, die nach Wirklichkeit suchen.

Dimitrij Haak
Zeit ist Geld

Wie können wir in Zukunft Produzieren? Mit dem Anstieg von Lohnkosten im Europäischen Raum haben sich die Gegenstände unseres täglichen Lebens verändert. Die Wertschätzung von Rohstoffen ist einer Zeitökonomie gewichen. Wo man einst versucht wurde so wenig wie möglich zu verbrauchen geht es heute darum so effektiv wie möglich zu arbeiten. Und was bei der Arbeit trainiert wird gilt auch zuhause. Mit dieser allgegenwärtigen Wahrheit der Zeitökonomie beginnt eine Rückbesinnung zum Ritual und zur absichtlichen Verlangsamung und Wertschätzung, die bei den Produkten die wir verwenden beginnt und bei unseren Mitmenschen nicht halt macht.

Katarina Atkinson
Stripes
Repeat after me

Atkinson arbeitet seit mehreren Jahren fast ausschließlich raumbezogen. Sie entwirft räumliche Installationen, die auf die örtlichen Gegebenheiten nach Maß abgestimmt und eingerichtet werden. Zum Einsatz kommen diverse Medien wie z. B. Spiegel, Draht, Kunststoff und je nach Räumlichkeit auch Licht. Zudem arbeitet sie gelegentlich fotografisch, zeichnerisch und akustisch.
Angeeignete erste Strophe des “Gelassenheitsgebets”, vermutlich von Reinhold Niebuhr während des Zweiten Weltkrieges verfasst. Das Original wird von den Anonymen Alkoholikern am Ende jedes Meetings gemeinsam aufgesagt.

Eicke Riggers
Projektion, Anschauung, Suche

Die Texte und Arbeiten von Eicke Riggers beschäftigen sich, meist im Ausgang von philosophischen oder wahrnehmungstheoretischen Positionen, mit der Spannung von Sichtbarkeit und Verbergung bzw. Transparenz und Opazität. Er forscht an der Möglichkeit, diese unscharfen Verhältnisse in einem – für gewöhnlich klar abgrenzbaren und kontrollierbaren – Interface abzubilden und erfahrbar zu machen. Dabei kommen unterschiedlichste Verfahren zum Einsatz. Oft handelt es sich um technologische Installationen, deren Verhältnis zu ihrer Umwelt und zur Betrachterin zwar wichtig, aber nicht abschließend geklärt scheint.
Die ausgestellte Arbeit setzt diese Thematik fort durch die In-Bezug-Setzung von Bild, Projektion und „realem“ Raum. Sie kann und soll betreten und erlebt werden. Dabei entzieht sich stets ein Teil der enthaltenen Informationen in die Unschärfe der Projektion in mehreren Ebenen. Das „Lesen“ fordert den körperlichen Einsatz, die räumlichen Abbildungsverhältnisse verschwimmen.

Judith Pollmann
Holy Me

Fotografische und filmische Selbstporträts zum Spiel mit der eigenen Identität.
Was weiß ich, wenn ich das Äußere meines Gegenübers studiere? Was glaube ich zu wissen? Wie viel davon ist Spekulation oder Erfahrung? Wir geben uns der Illusion hin, ein erster Eindruck würde für eine Kategorisierung genügen. Aber warum klammern wir uns so dringend an Kategorien? Mein Experiment zur Identität wirft die Frage auf, wie viel mir die Hülle eines Menschen tatsächlich verrät.

Joachim Liu
Rod

König saß 18 Tage und Nächte auf einem Berg. Er träumte von 19 Stieren, die 40-mal um den Berg umherliefen. Da erschien auf der Spitze eine Gestalt, die bis über die Wolken hinausragte. Sie hielt in ihrer Rechten ein Holz und in ihrer Linken einen Lichtbogen. „Nenn mich beim Namen“, sprach eine Stimme, wie Donner, „und du sollst mich besitzen.“

Sebastian Sowa
Frei gestellt

In seinen Arbeiten setzt sich Sebastian Sowa mit Landschaft auseinander. Insbesondere das sichtbar machen von Brüchen in der Landschaft steht im Zentrum der Installationen, Zeichnungen und bildhauerischen Arbeiten.

Pia Kintrup
Streichhölzer 2.0
Streichhölzer 5.0
Serie von Arbeiten aus Spanplatten & Fotogrammen

Die Arbeiten sind Teil des Streichholzzyklus der zwischen 2015-2017 entstanden ist. Die Belichtung des Plattenmaterials verfolgt das gleiche Prinzip, wie die Belichtung einer fotoempfindlichen Schicht. Die Platten sind fotografische Aufzeichnungen von Licht ohne Hilfe von Kamera, Vergrößerungsapparat und Belichter. Die Raster beziehen die digitale Fotografie, als eine Entwicklungsstufe
des fotografischen Mediums mit ein. Das Streichholz ist ein kleines, einfaches, industrielles Produkt. Das Feuer ist eine essentielle Errungenschaft in der Entwicklung der Menschheit.Fotos Alexander Luna