Social Innovation und Entrepreneurship Camp

Vom 1. bis 3. Dezember 2016 war die Folkwang Universität der Künste Austragungsort des „Social Innovation und Entrepreneurship Camp“. Im Rahmen dieses dreitägigen Seminars im SANAA Gebäude auf der Zeche Zollverein durften 30 Studierende des Heterotopia Graduate Programs und der Studiengänge Industrial Design, Kommunikationsdesign, Fotografie, Musikwissenschaft gemeinsam lernen, wie man gesellschaftliche Herausforderungen – Globalisierung, Umwelt- und Klimaschutz und demografischer Wandel – nicht nur kreativ, sondern auch unternehmerisch angeht, um einen Beitrag zur nachhaltigen Gestaltung der Zukunft zu leisten.
Die Leitung der dreitägigen Veranstaltung erfolgte durch Carsten Lessmann (Hilfswerft) und wurde durch Janine Schröder (Hilsfwerft), Irmi Wachendorff und Katharina Umbach (wissenschaftliche MitarbeiterInnen im Heterotopia Graduate Program) unterstützt.
Zahlreiche KünstlerInnen und GestalterInnen aus NRW, die selbst ein Sozial-Unternehmen gegründet haben oder gerade dabei sind dies zu tun waren geladen, um aus ihrem Erfahrungsschatz zu berichten und Empfehlungen für die Gründung eines Sozial-Unternehmens zu geben. Die Vorträge wurden durch Gruppenarbeitsphasen begleitet, die dem Ziel folgten kreative und sozialunternehmerische Ideen zu entwickeln und am letzten Seminartag zu präsentieren.
Den inhaltlichen Einstieg in den ersten Seminartag übernahm Carsten Lessmann (Hilfswerft). Die Grameen Bank des Friedensnobelpreisträgers Mohammad Yunus, die Mikro-Kredite an Kleinbauern vergibt, diente ihm dabei als Beispiel für die sozialunternehmerische Lösung gesellschaftlicher Probleme. Es folgten Vorträge von Lena Wiewell (Tausche Bildung für Wohnen e.V.) und Josefine Liebing (Talentstube), die die immensen Chancen, aber auch die Herausforderungen des sozialen Unternehmertums deutlich machten. »Tausche Bildung für Wohnen e.V.« kümmert sich um Kinder im als Problem-Stadtteil bekannten Duisburg-Marxloh. Die Kinder bekommen eine intensive Nachmittags-, Hausaufgaben-, Sprach-, Lern- und Freizeitbetreuung von so genannten Bildungspaten, denen im Gegenzug kostenloser Wohnraum in einer Immobilie des Vereins in Duisburg-Marxloh zur Verfügung gestellt wird.Die noch in der Entstehungsphase befindliche »TalentStube« hat es sich zum Ziel gesetzt durch eine Online-Plattform für ein Grundeinkommen für KünstlerInnen zu sorgen.
Am Ende des ersten Seminartages folgte die Einteilung der studentischen Arbeitsgruppen.
Das Business Model Canvas bildete den inhaltlichen Auftakt des zweiten Seminartages.
Es folgten Vorträge von Steffen Preuss (Ichó Systems) und Annette Wolter (innatura). Hierbei wurde die beeindruckende Spannbreite sozialen Unternehmertums sichtbar.
»Ichó« widmet sich in der Entwicklung einer Therapiekugel für Menschen mit Demenz. Innatura hat einen sozialunternehmerischen Weg gefunden falsch etikettierte, überschüssige oder vom Markt genommene Produkte sinnvoll an Hilfsorganisationen in der ganzen Welt zu vermitteln.

Nach einem gemeinsamen Mittagessen aller SeminarteilnehmerInnen folgte eine längere Gruppenarbeitsphase. Diese wurde durch zwei Vorträge von Kristina Bohnstedt (auridis gGmbH) und Dr. Martina Köchling (KfW-Stiftung) abgelöst, die die Geldgeberseite sozialunternehmerischer Projekte beleuchteten und Fragen zu finanziellen Fördermöglichkeiten beantworteten. Sie bildeten den Übergang zu einer weiteren, den Seminartag abrundenden Arbeitsphase in den Kleingruppen.Zu Beginn des dritten Seminartages referierten Benedikt Brester (Impact Hub Ruhrgebiet) und Clemens Binder (Social Impact Lab Duisburg). Idee des weltweit vernetzten »Impact Hubs Ruhrgebiet« ist es, eine Begegnungsstätte für Social-Start-Ups und Sozial-Unternehmen in der Region zu sein. Hierfür bietet das Hub Co-Working-Plätze, Events, Vernetzungen und Kontakte zu Unternehmen an. Das »Social Impact Lab Duisburg« ist eine deutschlandweit vernetzte Plattform für Social Entrepreneurs, Freelancer und Unternehmen rund um das Thema Social Entrepreneurship. Es fördert soziale Geschäftsmodelle in Form eines Stipendiums mit Coachings von Fachleuten und trägt damit ebenfalls zu einer Stärkung des sozialen Unternehmertums im Ruhrgebiet bei.Nach einer weiteren Gruppenarbeitsphase wurde der letzte Teil der spannenden, interessanten, lern- und arbeitsreichen, praxisorientierten Seminartage eingeläutet: Die Präsentation der sozialen Geschäftsmodelle der Studierenden in Form von 5-minütigen Elevator-Pitches vor einer breit aufgestellten, konstruktives Feedback gebenden Jury. Diese setzte sich aus dem Social-Business-Angel Lutz Mehlhorn, dem Gründer Stephan de la Pená, dem Mitarbeiter des »Social Impact Lab Duisburg« Clemens Binder, dem Co-Gründer des »Impact Hub Ruhrgebiet« Bendikt Brester, »Hilfswerft« Co-Gründer Carsten Lessmann und der wissenschaftlichen Mitarbeiterin Katharina Umbach zusammen.
Die von den studentischen Kleingruppen entwickelten und variantenreich präsentierten sozialunternehmerischen Projektideen kreisten um die Weiterverwendung von aufgebrauchtem Spielzeug, um die Verbreitung von Urban Farming, um die gamifizierte Bekämpfung klassischer Volkskrankheiten, um faire Materialien für Hochzeitsringe, um positiven Journalismus und um eine produktbezogene Upcyclingidee von Sperrmüll. Hierbei wurde nicht nur der immense inhaltliche Gewinn der drei Seminartage deutlich, sondern auch das innovative Potenzial und besondere Reflexionsvermögen der Studierenden. Auf Anraten der Jury werden einige, erfolgsversprechende und für eine Gründungsförderung aussichtsreiche Projekte im Nachgang von den Studierenden weiter gedacht. Ein voller Erfolg!