Gebrochene Landschaft – Zwischenspiel

Sebastian Sowa / Studio 01 / WS 2015/16
Prof. Marion Digel, Prof. Christian Schreckenberger, Prof. Bruno Klimek

Eine lange Allee riesiger Platanen führt zu dem nationalsozialistischen Gebäudekomplex des Zentralfriedhofes Bochum. Räumlich gesehen, läuft hier ein stark vertikales Element, die Stämme der 66 Platanen, auf die stark horizontal, gestreckt wirkende Fassade des Hauptfriedhofes zu, in der lediglich die Trauerhalle betont vertikale Strukturen aufweist.

Sebastian Sowa Analyseskizzezwischenspiel_skizze_02

Das Zwischenspiel schiebt sich dazwischen. Ein diagonales Gitter. Als transparente Kulisse lässt es Durchblicke in beide Richtungen zu und überlagert die Vertikale und die Horizontale mit einer radikal anderen Struktur. Die Abspannungen haben die Anmutung von Zeltleinen. Die Latten sind dünn und stehen lediglich auf dem Rasen. Zwischen das Massive, das Dauerhafte, stellt sich ein Gitter quer. Als ein filigranes Zwischenspiel. Auf Zeit.zwischenspiel_skizze_01

In welcher Beziehung steht die Gebäude des Hauptfriedhofs Bochum zur der Allee am Freigrafendamm? Über 400 m läuft eine imposante Doppelreihe aus 66 großen Platanen auf die sandsteinverblendete Front des Hauptfriedhofes zu. Der Gebäudekomplex ist ein Zeugnis nationalsozialistischer Architektur. Die Planung für die Allee stammt aber bereits aus den 20er Jahren. Die Denkmalbehörde ordnet die erhaltene Randbebauung dem Neuen Bauen zu. Erst Mitte der dreißiger Jahre entstehen die Entwürfe für den Hauptfriedhof. Die Bezüge zwischen dem Gebäude und der Allee sind offensichtlich, doch sie sind brüchiger, als es auf den ersten Blick scheint.

zwischenspiel_installation_01 zwischenspiel_installation_02zwischenspiel_installation_04zwischenspiel_installation_05

Um diese Brüche geht es in meinem Projekt „Gebrochene Landschaften“ im Studio 1, inszenierter Raum. (Prof.Digel, Prof.Schreckenberger, Prof. Klimek) Das Entdecken, Öffnen und Sichtbarmachen dieser Brüche ist wesentlicher Teil meiner Arbeit. Diese Bruchstellen können unmittelbar wirken. Ruinen sieht man die Brüchigkeit ihrer Geschichte direkt an. Doch viele Spannungsfelder liegen unter der Oberfläche. So ist es auch am Freigrafendamm. Durch die Überlagerung historischer Schichten liegt das Spannungsfeld im Verborgenen.

Hier setzt die Installation Zwischenspiel an. Ein Experiment um städtebauliche und historische Bezüge sichtbar zu machen und gleichzeitig in Frage zu stellen.
sebastian.sowa(at)folkwang-uni.de