Paris Exkursion

Aufgabe des Semesterthemas „Verhandlungsräume“ ist eine alternative Gestaltung der kommenden Klimakonferenz, die 2015 in Paris stattfindet. Waren die Eingangsüberlegungen dazu eher allgemein und bezogen sich auf archtypische Raumsituationen, sollen die Ideen nun etwas konkreter werden. Um dem von Baldenius-Foerster formulierten Ziel „einen Raum zu gestalten, in denen die Verhandlungen nicht scheitern können“ etwas näher zu kommen, unternahm der Kurs eine Exkursion nach Paris. Auf der 5-tägigen Reise wurden Gestalter, Architekten, Regisseure, Designer und Studenten getroffen, die sich mit ähnlichem Anliegen auf ihre Weise mit den Klimaverhandlungen auseinandersetzen.

Im Zentrum der Exkursion nach Paris stand das Treffen mit den Studenten Bruno Latours aus dem „Programm d’expérimentation en arts et politique“ (SciencePo./SPEAP) im Theatre des Armandiers in Nanterre und dem Co-Direktor des Theaters Philippe Quesne. Geplant ist eine Zusammenarbeit im Mai nächsten Jahres. Unter dem Titel „Théâtre des négociations“ soll ein alternatives Preenactment der Klimakonferenz 2015 in Paris mit 250 Studierenden gestaltet werden. Gemeinsames Ziel: die aktuelle Krise der Repräsentation zu reflektieren und klassische Verhandlungsformen sowie Protokolle zu transformieren. Dabei geht es um Kommunikationsstrukturen, Wissenstranfer, Darstellungstechniken und eine Anwendung von Latours Akteur-Netzwerk-Theorie . Die Folkwang Graduate Studenten konzentrieren sich bei der Gestaltung von Verhandlungsprozessen besonders auf die räumlichen Potentiale. Zu Semesterende, im Januar 2015, werden die Studenten der SPEAP zur gegenseitigen Konzeptpräsentation und einem weiteren, spannenden transdisziplinären Planungstreffen im SANAA-Gebäude in Essen erwartet.

Die Ausstellung „Grey Matter“ im Pavillon Arsenal beschäftigt sich mit dem Thema Ressourcenbewusstsein. Was allgemein bekannt scheint, wird dort auf anschauliche und eindrückliche Art an Modellen aufgezeigt: der Mensch verzehrt die Welt in einem irrationalen, schädigenden Maße. Der Peak vieler Materialien ist schon in Kürze erreicht. Viele Rohstoffe wird es in absehbarer Zeit nicht mehr geben. In einer Art B-Seite des Ausstellungsaufbaus werden hingegen Projekte und Forschungsergebnisse gezeigt, in denen Architektur mit alternativen und recycelten Materialien realisiert wird. Im Anschluß gab es die Möglichkeit direkt mit einem der Auststellungsmacher zu reden: Nicola Delon vermittelte Eindrücke über den aktuellen, architektonischen Diskurs hinsichtlich der Notwendigkeit eines intelligenten, globalen Ressourcen-Manangements und den gestalterischen Möglichkeiten nachhaltiger zu planen. Dazu nahm Nicola Delon’s Büro (Encore Heureux, Paris) die lezten Hürden zur Gestaltung der tatsächlichen Pariser Klimakonferenz. Mit seiner Bewerbung um die Ausrichtung der Verhandlungen steht er im engeren Kreis der Auswahl und verspricht, im Falle seiner Beauftragung, Einblicke in die Ausarbeitung seines Konzeptes.

In Ivry-sur-Seine, am Stadtrand von Paris, wurde Stefan Schankland und das Architekten-Kollektiv TRANS305 besucht, die mitten im urbanen Mutationsraum, zwischen den zum Abriss freigegebenen, urigen, kleinen Einfamilienhäusern und den vielgeschossigen,  kühl- modernen, neuen Apartmentblock-Rohbauten wirken. Sie reflektieren die städtische Transformation in künstlerisch-partizipativen Prozessen, direkt vor Ort mit der ansässigen Bevölkerung. Sie schaffen temporäre kulturelle Räume (Häuser, Aussichtsplattformen, Projektwerkstätten) die den Anwohnern zur Auseinandersetzung und Teilhabe dienen.

In einem eher klassischen Programmpunkt, am Ende der Exkursion, wurde das Schloss Versailles besucht. Als langjähriger Regierungsitz der französischen Herrscher und als kulturelles Epizentrum Europas sind die besonderen Raumanordnungen auch als soziale Architektur zu sehen. Die Politik des Absolutismus schnitt den kompletten Staat und sämtliche Strukturen auf die Person des Königs zu. Dazu gehörte auch ein stark reglementiertes Verhalten in Räumen mit repräsentativen und hierarchisierenden Funktionen. Über die Etikette wurden die Bewegungen in den Räumen diktiert, die in ihrer Gestaltung wiederum Aussage über den Rang der Bewohner machten. Im Spiegelsaal, als guter Stube des alten Europas, wurde, neben historisch bedeutsamen Verhandlungen, alltäglich über den Rang der höfischen Menschen verhandelt. Inszenierung, Beobachtung und Beurteilung regelten den Wert der Menschen in einem Raum, der so geschnitten war, das man sich gut beobachten und doch leicht ignorieren konnte.

 

 

Links:

Encore Hereux

Grey Matter/Matiere grise

SPEAP

 

 

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