Besuch der Eichbaumoper mit
Architekt Jan Liesegang

Eichbaumoper bezeichnet die temporäre Transformation der U-Bahnstation Eichbaum in ein Opernhaus. Die Station ist Knotenpunkt und Haltestelle in der Zwischenwelt der Städte Essen und Mülheim. Im Auge des Autobahndreiecks zwischen der Autobahn A40 und der B1 gelegen ist diese Station mit viel Beton in den 70er Jahren, als zukunftsfähige Infrastruktur gebaut worden. Einst Ort des Aufbruchs und der Hoffnung ist Eichbaum heute geprägt von Vandalismus, Angst und Bedrohlichkeit. Dennoch ist die Station ein wichtiger Ort der Verbindung, der durch die Autobahn und U-Bahntrasse zerschnittenen Stadtlandschaft und hat Modellcharakter für die städtebaulichen und gesellschaftlichen Herausforderungen dieser ehemaligen Industrieregion im Wandel.

Der Ort selbst mit seinen Bedingungen sollte der Ausgangspunkt für die Inhalte und Themen der neuen Oper werden. Die neu installierte Opernbauhütte auf dem Vorplatz der Haltestelle, der einst gedacht war als kleiner Markt z.B. für den Kartoffelbauern und die Eier-Omi, wurde nun architektonisches Zeichen der Reaktivierung und der Transformation, wurde Werkstatt, Veranstaltungsraum, Bar, Kino, Kunsthalle, Treffpunkt, Lesecafe. Die eingeladenen Komponisten und Librettisten formten hier in Zusammenarbeit mit den Anwohnern die Oper. Ihre Ängste, Hoffnungen, Träume und Erinnerungen wanderten direkt in die Librettos. Reale Alltagswelt begann mit der künstlichen Opernwelt zu verschmelzen. Neben den Geschichten der Menschen wurden auch der Lärm der Autobahn, der Takt der vorbeifahrenden U-Bahn, die unwirtlichen Räume zu prägenden Teilen der Eichbaumoper, die im Juni und Juli 2009 vor Ort in dem temporären Opernhaus aufgeführt wurde.

 

_MG_2655 _MG_2665 _MG_2671 _MG_2675 _MG_2679 _MG_2682 _MG_2684 _MG_2702 _MG_2704